Kurzdiagnose
Radon ist ein radioaktives Edelgas, das aus dem Erdreich in Häuser eindringt und nach Rauchen die zweithäufigste Ursache von Lungenkrebs ist. Das Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) setzt seit 2018 einen Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft (Bq/m³) im Jahresmittel. Gemessen wird mit passiven Kernspur-Detektoren über 12 Monate, ein Detektor-Paar kostet 30 bis 60 €. Ab 300 Bq/m³ sind Maßnahmen sinnvoll, ab 1000 Bq/m³ dringend.
Schritt für Schritt zur Radon-Diagnose
- Regional-Risiko prüfen: Die Radon-Karte des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) zeigt belastete Gebiete, vor allem Mittelgebirge mit Granit-Untergrund.
- Passive Detektoren bestellen: Kernspur-Dosimeter über akkreditierte Labore (zum Beispiel BfS-Liste). Zwei Stück: einen im Aufenthaltsraum im Keller, einen im Erdgeschoss.
- 12 Monate exponieren: Detektoren stehen ein Jahr lang offen, nicht direkt an Fenster, Heizung oder Bad. Jahresmittel erfasst saisonale Schwankungen.
- Auswertung an Labor schicken: Ergebnis als Bq/m³-Wert pro Standort.
- Bei über 300 Bq/m³ nachmessen: Kurzzeitmessung mit elektronischem Gerät, um Schwankungen einzuordnen.
- Maßnahmen einleiten: Bei moderaten Werten ausreichend Lüftung, bei hohen Werten bauliche Sanierung (Unterboden-Absaugung, Folie).
StrlSchG: Was der Referenzwert bedeutet
Der Referenzwert von 300 Bq/m³ aus § 124 und § 126 StrlSchG ist kein klassischer Grenzwert, sondern ein Auslöse-Wert für Maßnahmen. Unter 300 Bq/m³ gilt die Situation als hinnehmbar, darüber sollen vernünftige Schritte zur Reduktion folgen. Für Arbeitsplätze in Radon-Vorsorgegebieten gilt der Wert verbindlich, für Wohnräume ist er eine Empfehlung, aber Versicherer und Hausverkäufe orientieren sich daran.
Radon entsteht aus dem natürlichen Zerfall von Uran und Radium im Boden. Die Konzentration im Erdreich variiert stark: In Sachsen, Thüringen, Bayerischem Wald und Schwarzwald sind Werte über 1000 Bq/m³ in unsanierten Kellern verbreitet, in norddeutschen Tiefebenen oft unter 50 Bq/m³.
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Passive Messung: Wie sie funktioniert
Kernspur-Detektoren bestehen aus einem Kunststoff-Plättchen in einer kleinen Dose. Beim Zerfall von Radon entstehen Alpha-Teilchen, die mikroskopische Spuren im Kunststoff hinterlassen. Nach 12 Monaten zählt das Labor die Spuren unter einem Mikroskop und rechnet auf die Jahresmittel-Konzentration um. Vorteil: kein Strom, keine Wartung, sehr genau im Jahresschnitt.
Elektronische Geräte wie der Airthings Wave Plus oder Corentium Home messen kontinuierlich und zeigen Stunden- und Tagesmittel an. Sie sind teurer (150 bis 300 €) und liefern erst nach mehreren Wochen verlässliche Mittelwerte, dafür siehst du Schwankungen direkt. Für die offizielle Beurteilung nach StrlSchG sind Kernspur-Messungen anerkannt, elektronische Geräte für Eigenkontrolle.
Radon-Werte einordnen
| Bq/m³ | Risiko-Einstufung | Empfohlene Aktion |
|---|---|---|
| 0–100 | Unauffällig | Keine Maßnahme nötig |
| 100–300 | Erhöht, aber unter Referenzwert | Aufenthaltsdauer prüfen, Stoßlüften erhöhen |
| 300–600 | Über Referenzwert | Lüftung verstärken, abdichten von Bodenrissen |
| 600–1000 | Deutlich erhöht | Mechanische Lüftung, Foliensperre einbauen |
| 1000–2000 | Hoch | Unterboden-Absaugung planen |
| > 2000 | Sehr hoch | Sofortige Sanierung, Aufenthalt einschränken |
Sanierungs-Schritte: Was wirklich hilft
Erste Stufe: Lüften. Eine konsequente Lüftung des Kellers (zwei- bis dreimal täglich quergelüftet) reduziert Radonwerte um 30 bis 60 Prozent. Im Sommer mehr als im Winter, weil das Temperaturgefälle den Kamineffekt verändert. Dauerhafte mechanische Lüftung im Keller hilft besonders, wenn der Kellerraum als Arbeitszimmer oder Hobby-Raum genutzt wird.
Zweite Stufe: Abdichten. Risse im Kellerboden und Wandanschlüsse werden mit Spezial-Folie oder Bitumen abgedichtet. Wichtige Stellen: Bodenfugen, Rohrdurchführungen, Anschluss Wand-Boden, Sumpf-Schächte. Eine dichte Bodenplatte allein reicht selten, weil Radon durch Mikrorisse diffundiert.
Dritte Stufe: Unterboden-Absaugung (Radon-Brunnen). Unter dem Kellerboden wird ein Drainage-Rohr oder eine Kiesschicht abgesaugt, das Radon wird vor Eintritt ins Haus nach außen abgeleitet. Wirksamster Eingriff, reduziert Radon um 70 bis 95 Prozent. Kosten zwischen 3.000 und 10.000 € je nach Gebäude.
Risiko-Regionen in Deutschland
Das BfS hat 2020 die Karte der Radon-Vorsorgegebiete veröffentlicht. Schwerpunkte:
- Sachsen: Erzgebirge, Vogtland, historisch durch Uranbergbau bekannt
- Thüringen: Schiefergebirge, Saalfeld
- Bayern: Bayerischer Wald, Fichtelgebirge
- Baden-Württemberg: Schwarzwald, Odenwald (teilweise)
- Hessen: Odenwald, Spessart (Randbereiche)
- Norddeutschland: generell niedrige Werte, Ausnahmen rund um Granit-Aufschlüsse

Radonschutz im Neubau
Wer in einem Vorsorgegebiet neu baut, hat es leichter: Eine durchgehende, geschweißte Radon-Folie unter der Bodenplatte plus ein passives Drainage-Rohr im Untergrund (das später bei Bedarf aktiviert wird) kostet als Neubaumaßnahme nur wenige Hundert Euro. Nachträglich liegen die Kosten zehn- bis zwanzigfach höher.
Die DIN ISO 11665 beschreibt Messverfahren, die DIN/TS 18117 (2020) ergänzt mit Hinweisen zu Bauwerks-Schutzmaßnahmen. Bauherren in Vorsorgegebieten sollten beide Normen mit ihrem Architekten klären, bevor die Bodenplatte gegossen wird.
Häufige Fragen
Muss ich als Mieter Radon messen oder ist das Vermieter-Pflicht?
Für Wohnungen gibt es keine generelle Messpflicht. Wer in einem Radon-Vorsorgegebiet eine Erdgeschosswohnung oder Wohnung mit Kellernutzung bewohnt, kann den Vermieter um Messung bitten, bei Werten über 300 Bq/m³ besteht eine Maßnahmenpflicht des Eigentümers, allerdings ohne konkrete Frist. Eigenmessung mit Kernspur-Detektoren kostet 30 bis 60 € und bringt Klarheit.
Reicht es, den Keller zu lüften, oder muss ich baulich sanieren?
Bei moderaten Werten zwischen 300 und 600 Bq/m³ kann konsequente Lüftung ausreichen, vor allem wenn der Keller nicht dauerhaft als Wohnraum genutzt wird. Ab 600 Bq/m³ aufwärts brauchst du in der Regel bauliche Maßnahmen, weil reine Lüftung saisonal schwankt und im Winter oft nicht ausreicht.
Sind Luftreiniger gegen Radon wirksam?
Klassische HEPA- oder Aktivkohle-Luftreiniger wirken nicht gegen Radon, weil Radon ein Edelgas ist und keine Partikel bildet, die filterbar wären. Radon zerfällt aber zu Radon-Folgeprodukten (Polonium, Wismut), die an Staub haften, gegen diese Partikel hilft ein HEPA-Filter teilweise. Hauptmaßnahme bleibt aber Lüftung oder Unterboden-Absaugung.
Wie lange muss ich messen, um ein verlässliches Ergebnis zu bekommen?
Für die offizielle Beurteilung nach StrlSchG ist ein Jahresmittelwert über 12 Monate Standard, weil Radon stark mit Wetter und Heizverhalten schwankt. Im Winter sind die Werte oft doppelt so hoch wie im Sommer. Kurzzeitmessungen über drei Monate (Heizperiode) geben einen ersten Eindruck, ersetzen aber kein Jahresmittel.
Beeinflusst eine kontrollierte Wohnraumlüftung die Radon-Belastung?
Eine KWL mit Wärmerückgewinnung im Erdgeschoss oder Keller kann Radonwerte deutlich senken, sofern sie nicht im Keller selbst Unterdruck erzeugt. Wichtig: Zu- und Abluft müssen ausgeglichen sein, sonst zieht ein Sog mehr Radon aus dem Erdreich nach. Bei stark belasteten Häusern empfiehlt sich Sachverständigen-Beratung vor KWL-Einbau.
Worauf es ankommt
Radon ist unsichtbar, geruchlos und nur durch Messung erkennbar. Der Aufwand ist klein: zwei Kernspur-Detektoren, 30 bis 60 €, zwölf Monate Geduld. Wer in einem Vorsorgegebiet wohnt oder seinen Keller als Aufenthaltsraum nutzt, hat eine starke Begründung für die Messung. Maßnahmen reichen von kostenloser Lüftung bis zur Unterboden-Absaugung, die Reihenfolge bestimmt der gemessene Wert, nicht die Befürchtung.
