Kurzdiagnose
Eine zentrale Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung lässt sich im Altbau meist nur mit Aufputz-Rohrführung oder über abgehängte Decken nachrüsten. Wer den Eingriff scheut, baut dezentrale Geräte ein: ein Kernbohrloch pro Raum, kein Rohrnetz, deutlich geringerer Aufwand. Die BAFA fördert beides als Einzelmaßnahme der Bundesförderung effiziente Gebäude. Realistische Kosten liegen zwischen 4.000 Euro für drei dezentrale Geräte und 15.000 Euro für eine zentrale Anlage mit Verteilung.
Schritt-für-Schritt-Vorgehen
- Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 durch einen Fachplaner erstellen lassen.
- Bei Mietwohnungen Vermieter-Zustimmung für Kernbohrungen oder Rohrführung einholen.
- Bauliche Situation prüfen: Spitzboden, Zwischendecke oder Aufputz als Trassen-Optionen.
- Zwischen zentral mit Wärmetauscher und dezentral mit Push-Pull-Geräten entscheiden.
- Drei Angebote von Lüftungs-Fachbetrieben einholen, Wartungsvertrag-Konditionen klären.
- BAFA-Antrag VOR dem Auftrag stellen, sonst keine Förderung möglich.
Zentral oder dezentral: die Entscheidung
Eine zentrale KWL ist die hochwertigere Lösung mit höherem Wirkungsgrad und besserer Luftqualität, weil die Filter zentral sitzen und nicht in jedem Raum gewartet werden müssen. Sie braucht aber ein Rohrnetz zwischen Gerät und allen Räumen. Im Altbau ist das nur mit Aufputz-Trassen, Vorsatzschalen oder abgehängten Decken machbar. Wer das nicht will, greift zu dezentralen Push-Pull-Geräten: Lüfterpaare in Außenwänden, die abwechselnd in den Wärmetauscher pusten und ziehen.
Dezentral lässt sich raumweise nachrüsten, ist im Aufwand deutlich geringer und in Mietwohnungen oft die einzig realistische Variante. Der Wirkungsgrad liegt mit 70 bis 85 Prozent etwas unter zentralen Anlagen mit 85 bis 95 Prozent. Schallschutz ist bei dezentralen Geräten ein Thema, weil die Wand zur Außenluft durchbrochen wird.
Aufputz-Rohrführung im Altbau
Bei zentraler Lösung kommen die Lüftungsrohre selten unter Putz, das wäre zu aufwändig. Stattdessen verlaufen sie sichtbar als Aufputz-Trasse im Flur, hinter einer abgehängten Decke oder in einer Vorsatzschale entlang der Wand. Glatte PE- oder verzinkte Lüftungsrohre mit 75 bis 125 Millimeter Durchmesser sind Standard. Die Trasse lässt sich farblich an die Wand anpassen oder mit Schrankaufsätzen integrieren. Lufteinlässe als flache Decken-Designventile fallen oft kaum auf.
Dezentrale Push-Pull-Geräte
Dezentrale Geräte sitzen in Außenwänden, brauchen pro Raum eine Kernbohrung von etwa 160 Millimeter Durchmesser und arbeiten paarweise im Wechsel von 60 bis 90 Sekunden. Ein Gerät zieht Abluft nach außen, das Pendant zieht Außenluft hinein, der keramische Wärmetauscher speichert dabei die Wärme. Beim nächsten Zyklus dreht sich die Richtung um und die Wärme geht in die Frischluft. Klassische Hersteller sind Inventer, Lunos, Maico, Helios und Bayernluft.

Schalldämmung als kritischer Punkt
An Straßen oder in Innenstadtlagen ist der Schalldurchlass durch das Kernbohrloch ein echtes Thema. Hersteller geben das Schalldämmmaß R'w an. Werte unter 42 dB sind bei verkehrsreichen Lagen problematisch, ab 49 dB ist die Wirkung mit einem geschlossenen Fenster vergleichbar. Manche Modelle bieten Schalldämmsets mit zusätzlichen Kulissen, die das Maß um 6 bis 8 dB anheben. Bei zentralen KWL ist Schalldämmung über Telefonie-Schalldämpfer im Rohrnetz möglich.
Kostenvergleich Altbau-Nachrüstung
| Lösung | Aufwand | Material | Einbau | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Zentral mit Aufputz-Verteilung | 1-2 Wochen | 5.000-7.000 € | 5.000-8.000 € | 10.000-15.000 € |
| Zentral mit abgehängter Decke | 2-3 Wochen | 5.000-7.000 € | 8.000-12.000 € | 13.000-19.000 € |
| Dezentral, 3 Räume | 1-2 Tage | 2.000-3.500 € | 1.500-2.500 € | 3.500-6.000 € |
| Dezentral, 5 Räume | 3-4 Tage | 3.500-6.000 € | 2.500-4.000 € | 6.000-10.000 € |
| Einfache Abluftanlage | 2-3 Tage | 800-1.500 € | 1.000-2.000 € | 1.800-3.500 € |
BAFA-Förderung für Altbau-Nachrüstung
| Modul | Quote | Förderbedingung |
|---|---|---|
| BEG EM Lüftungsanlage | 15 % | Wärmerückgewinnung min. 80 %, Effizienzklasse A |
| iSFP-Bonus | +5 % | Individueller Sanierungsfahrplan liegt vor |
| Energieberater | 50 % | Bis max. 5.000 € förderfähige Beratungskosten |
| KfW 458 Heizungstausch | kombinierbar | Nur wenn Heizung mit ersetzt wird |
Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 als Pflicht
Bei energetischen Sanierungen schreibt die DIN 1946-6 ein Lüftungskonzept vor, das prüft, ob freie Lüftung über Fenster und Fugen noch ausreicht oder ob mechanische Lüftung notwendig ist. Nach Dämmung, Fenstertausch oder Dachsanierung im Altbau ist die Antwort meist Ja, weil die Gebäudehülle dichter wird und Feuchtelasten nicht mehr ausreichend abgeführt werden. Das Konzept dokumentiert die Notwendigkeit und ist Grundlage für die Förderung.
Bauliche Vorbereitung im Bestand
Vor dem Lüftungs-Einbau lohnt ein Blick auf den Gesamtzustand: Sind die Fenster bereits getauscht? Ist die Außendämmung in Planung? Ist das Dach gedämmt? Diese Reihenfolge hat Folgen für die Lüftungs-Auslegung, weil eine dichtere Hülle den notwendigen Volumenstrom rechnerisch anhebt. Wer Lüftung als ersten Schritt baut und später die Hülle dichtet, hat oft ein überdimensioniertes Gerät. Umgekehrt führt Lüftung erst nach Dämmung zur passgenauen Auslegung — und zu niedrigeren Investitions- und Betriebskosten über die Lebensdauer der Anlage.
Bei Mehrfamilienhäusern kommt die WEG-Dimension dazu: zentrale Anlagen über mehrere Wohnungen sind eine bauliche Veränderung und brauchen Beschluss der Eigentümergemeinschaft. Dezentral pro Wohnung bleibt einfacher, weil die Kernbohrung nur in der eigenen Außenwand sitzt und keine Gemeinschaftsflächen betroffen sind. Bei denkmalgeschützter Fassade ist auch das nicht trivial — die Außenblende muss optisch unauffällig sein und die Genehmigung der Denkmalbehörde ist im Vorfeld zu klären.

Häufige Fragen
Lohnt sich KWL im Altbau überhaupt?
Energetisch lohnt sie sich vor allem nach gleichzeitiger Dämmung oder Fenstertausch. Eine alte, undichte Hülle hat so hohe Lüftungsverluste, dass die Wärmerückgewinnung der KWL kaum greift. Komfortgewinn und Schimmelschutz wiegen aber oft schwerer als die reine Heizkosten-Ersparnis. Wer Allergien hat, profitiert von Pollenfiltern, das ist ein Argument unabhängig vom Energiethema.
Geht KWL ohne abgehängte Decke?
Ja, mit dezentralen Geräten oder mit Aufputz-Rohren in Vorsatzschalen. Eine abgehängte Decke ist nur bei zentralen Lösungen mit verstecktem Rohrnetz nötig, und auch dort gibt es Alternativen wie Trockenbau-Kanäle entlang der Wand. Mit etwas Planung lässt sich Raumhöhe meist erhalten.
Welche Geräte sind altbaugeeignet?
Dezentral: Inventer iV14 Zero, Lunos e2, Maico WS 75 Powerbox, Helios KWL EC 60. Zentral mit Aufputz-Verteilung: Zehnder ComfoAir Q350, Helios KWL EC 200 Eco, Wolf CWL-2-325. Die Wahl hängt von Wohnungsgröße, Schallschutz-Anforderung und Wartungsfreundlichkeit ab. Ein Fachplaner gleicht das mit den Raumdaten ab.
Welche Wartungskosten kommen pro Jahr auf mich zu?
Filterkosten liegen bei 40 bis 120 Euro pro Jahr je nach Modell und Filterklasse. Eine jährliche Wartung durch den Fachbetrieb kostet 150 bis 350 Euro. Bei dezentralen Geräten ist die Wartung simpler, weil keine Rohre gereinigt werden müssen, aber jedes Gerät einzeln. Über 15 Jahre Lebensdauer summieren sich rund 4.000 bis 7.000 Euro Betriebskosten.

Mietwohnung: was ist erlaubt?
Ohne Vermieter-Zustimmung darfst du keine Kernbohrungen setzen. Mit Zustimmung sind dezentrale Geräte oft die einzige realistische Option. Mietminderung wegen Schimmel oder schlechter Luftqualität ist ein anderer Weg, der zuerst Vermieter und gegebenenfalls Mieterverein einbindet. Ein Lüftungs-Nachrüstung auf eigene Kosten in der Mietwohnung lohnt fast nie, weil die Investition beim Auszug verloren geht.
Praktisch heißt das
Im Altbau ist die Frage nicht mehr Ja oder Nein, sondern zentral oder dezentral und mit welchem Schallschutz. Wer baulich Spielraum hat, profitiert langfristig von einer zentralen Anlage. Wer schnell, mit wenig Eingriff und auf einzelne Räume zugeschnitten nachrüsten will, fährt mit dezentralen Push-Pull-Geräten gut. Beide Wege sind nach DIN 1946-6 zulässig und über die BEG förderbar.
