Kurzdiagnose: Was ist ISO 16890 und warum gibt es die Norm?
ISO 16890 ist seit Juli 2018 die verbindliche Norm für Luftfilter in raumlufttechnischen Anlagen und ersetzt die alte EN 779. Statt der bisherigen Klassen G1 bis G4 und F5 bis F9 bewertet die Norm Filter nach realer Abscheideleistung für drei Partikelgrößen: ePM10, ePM2,5 und ePM1. Ein Filter heißt heute zum Beispiel ePM2,5 65%, das entspricht ungefähr dem alten F7. Für Allergiker und Pollen-Empfindliche zählt fast nur die ePM1-Stufe.
Schritt-für-Schritt: Den richtigen Filter wählen
- Anlagentyp klären: Zentrale KWL braucht andere Filter als dezentrales Pendel-Gerät, Datenblatt prüfen.
- Schadstoffquelle bestimmen: Pollen (PM10), Feinstaub aus Verkehr (PM2,5), Rauch und Bakterien (PM1).
- Mindestklasse festlegen: Standard ePM2,5 50% (≈F7), Allergiker ePM1 ≥50%, Stadtnähe ePM1 ≥60%.
- Druckverlust beachten: Höhere Klasse = mehr Strömungswiderstand = höherer Stromverbrauch der Anlage.
- Wechselintervall festlegen: 6 Monate Standard, 3 bis 4 Monate bei Pollenflug oder Stadtlage.
- Ersatz bestellen: Originalfilter mit Hersteller-Code oder Universalmaße mit ISO-Klassen-Angabe.
Alt vs. neu: Warum die Umstellung kam
Die alte Norm EN 779 maß Filter mit einem synthetischen Teststaub und gab eine durchschnittliche Abscheidung an. Praktisch hieß das: Zwei Filter mit derselben F7-Klasse konnten unter realen Bedingungen sehr unterschiedlich leisten. ISO 16890 misst stattdessen direkt gegen drei Größenfraktionen, die epidemiologisch relevant sind:
KWL-Filter F7 (kompatibel)
Pollen-Standard-Filter für Zehnder/Helios/Wolf/Vallox, alle 3-4 Monate wechseln.
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- ePM10: Staub, Pollen, größere Partikel, atemwegsrelevant
- ePM2,5: Feinstaub aus Verkehr, Heizung, Industrie, lungengängig
- ePM1: Ultrafeinstaub, Rauch, Bakterien-Aerosole, alveolengängig
Die Zahl hinter dem Kürzel gibt den Mindest-Wirkungsgrad in Prozent an. ePM1 70% heißt: Der Filter scheidet im Test mindestens 70 Prozent der Partikel unter 1 Mikrometer ab.
Norm ISO 16890 im Klartext
Die Norm besteht aus vier Teilen: Teil 1 definiert Begriffe, Teil 2 das Prüfverfahren, Teil 3 die Bestimmung des Mindest-Wirkungsgrads nach elektrostatischer Entladung (wichtig!), Teil 4 die Klassifikation. Der entscheidende Schritt ist die Entladung mit Isopropanol: Viele Filter wirken im Neuzustand durch elektrostatische Aufladung künstlich besser. ISO 16890 verlangt die Messung nach Entladung, der angegebene Wert ist also der dauerhaft realistische Wirkungsgrad.
Übersetzung: Alte F-Klassen zu ISO 16890
| Alte Klasse (EN 779) | ISO 16890 | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| G4 | ePM10 ≥50% (Grobfilter, Coarse 65%) | Vorfilter, Klimaanlage Außenluft erste Stufe |
| M5 | ePM10 ≥50% bis 65% | Standard-Vorfilter, einfache KWL |
| M6 | ePM2,5 ≥50% | KWL Wohnraum Basis |
| F7 | ePM2,5 ≥65% / ePM1 ≥50% | Wohnraum, Allergiker leicht, Pollenfilter Auto |
| F8 | ePM1 ≥60% bis 70% | Allergiker mittel, Stadtlage, Krankenhaus Allgemein |
| F9 | ePM1 ≥80% | Allergiker schwer, OP-Vorfilter, Reinraum-Vorstufe |
| (HEPA H13) | nicht ISO 16890 (EN 1822) | Reinraum, Medizin, Rauchschutz |
Empfehlung für Allergiker
Wer Heuschnupfen oder Hausstauballergie hat, sollte mindestens ePM2,5 ≥65% (entspricht F7) im Schlaf- und Wohnbereich einsetzen. Bei starker Pollensaison oder bekannter Allergie auf Birke, Erle und Gräser lohnt ePM1 ≥60% (≈F8). Höhere Klassen wie ePM1 80% kosten mehr Strom, weil die Anlage gegen mehr Widerstand fördert, dafür filtern sie auch Reizstoffe aus Verkehr und Heizungsabgasen.

Wichtig: Filter wirken nur, wenn sie sitzen und sauber sind. Ein verstopfter F7 filtert kurzfristig sogar besser (höherer Abscheidegrad), erhöht aber den Druckverlust um das Vielfache, was die Anlage stresst und den Stromverbrauch verdoppeln kann.
HEPA: wann sie wirklich nötig ist
HEPA-Filter (H13, H14) werden nach EN 1822 klassifiziert, nicht nach ISO 16890. Sie scheiden 99,95 Prozent aller Partikel mit der schwierigsten Größe (ca. 0,3 µm) ab. Für normalen Wohnraum sind sie überdimensioniert, der Druckverlust frisst die Wärmerückgewinnung auf, der Stromverbrauch steigt drastisch. Sinnvoll sind HEPA nur in Sondernischen: Medizinische Filterung, Reinraum, oder mobile Standalone-Luftreiniger für Allergiker, die nicht permanent im Strömungsweg sitzen.
Wechselintervall und Kosten
Standard sind 6 Monate für Hauptfilter (ePM1 oder ePM2,5) und 12 Monate für Vorfilter (ePM10 / Coarse). In Stadtlage oder bei aktiver Pollensaison im Frühjahr/Sommer kürzer: 3 bis 4 Monate. Kostenrahmen 2026 für ein typisches dezentrales Gerät mit Pollenfilter F7-äquivalent: 15 bis 30 Euro pro Filter, Original etwas teurer als Universalware. Eine zentrale KWL braucht oft zwei Hauptfilter (Zu- und Abluft) und Vorfilter, Jahresbudget realistisch 60 bis 120 Euro.
Wer beim Filter spart, zahlt bei Strom drauf: Ein verstopfter Filter verdoppelt schnell den Druckverlust und damit die Leistungsaufnahme des Lüfters. Über ein Jahr gerechnet sind 30 bis 60 Euro Mehrkosten beim Strom realistisch, also dieselbe Summe wie ein rechtzeitiger Filterwechsel. Außerdem sinkt die Wärmerückgewinnungs-Effizienz, weil der Luftvolumenstrom abnimmt.

Häufige Fragen
Was bedeutet ePM1, ePM2,5 und ePM10 genau?
Die Zahl bezeichnet den maximalen aerodynamischen Durchmesser der Partikel in Mikrometer, die der Filter mindestens zum angegebenen Prozentsatz zurückhält. PM10 sind grobe Partikel wie Pollen und Staub, PM2,5 sind Feinstaub (oft aus Heizung und Verkehr), PM1 ist Ultrafeinstaub. Je kleiner die Zahl, desto tiefer dringen die Partikel in die Lunge, und desto wirksamer der Filterschutz für Atemwege.
Sind ISO 16890 Filter besser als F-Klassen-Filter?
Sie sind realistischer bewertet. Die Filtermedien selbst sind teilweise dieselben, viele Hersteller deklarieren denselben Filter heute mit ISO-Klasse statt mit F-Klasse. Der Vorteil: Du weißt dauerhaft, was der Filter leistet, nicht nur im aufgeladenen Neuzustand. Bei Neukauf nur noch ISO-deklarierte Filter wählen.
Welche Filterklasse brauche ich für Allergie gegen Birkenpollen?
Birkenpollen sind 20 bis 35 Mikrometer groß und werden von jedem ePM10-Filter zurückgehalten. Praktisch reicht also ein ePM2,5 ≥50% Filter aus. Wer zusätzlich auf feine Pollenfragmente reagiert (durch Allergen-Aktivierung im Regen), kann auf ePM1 ≥50% hochgehen, das filtert auch die Sub-Pollen-Partikel.
Wie erkenne ich, dass der Filter gewechselt werden muss?
Drei Signale: Die Anlage wird hörbar lauter, weil der Lüfter gegen mehr Widerstand arbeiten muss. Der CO2-Wert steigt trotz gleicher Stufeneinstellung, weil das Volumen nicht mehr durchkommt. Und der Filter ist sichtbar grau oder gelb verfärbt. Manche Geräte zeigen einen Service-Stundenzähler, verlasse dich nicht allein darauf, prüfe optisch.
Lohnt sich ein Aktivkohle-Filter zusätzlich?
Aktivkohle bindet Gerüche und gasförmige Schadstoffe (VOC, Rauch), nicht Partikel. Sinnvoll in Stadtlage mit Verkehrslärm-Achsen, bei direkter Nachbarschaft zu Restaurant-Abluft oder Tankstellen. Kombi-Filter (ePM1 + Aktivkohle) sind teurer und haben begrenzte Standzeit für die Aktivkohle (etwa 3 Monate). Für Standardwohnung im Wohngebiet meist nicht nötig.
