Kurzdiagnose
Aranet4 misst nur CO2 mit NDIR-Sensor (sehr genau, 4 Jahre Batterie, kein WLAN nötig, ca. 200 €). Airthings View Plus deckt CO2, VOC, Radon, Feuchte, Temperatur und Druck ab (Akku oder Netz, App-Pflicht, ca. 280 €). Netatmo Wetterstation kombiniert Innenraum-CO2 mit Außenwetter (WLAN, Cloud, ca. 170 €). Für reine CO2-Überwachung nach Pettenkofer (1000 ppm Schwelle) reicht Aranet4. Wer Radon- oder VOC-Daten will, kommt am Airthings nicht vorbei.
Schritt für Schritt zum richtigen Sensor
- Use-Case klären: Nur CO2 für Stoßlüftung, oder Komplettüberwachung inkl. Radon und VOC?
- Cloud-Bindung prüfen: Aranet4 läuft komplett lokal, Airthings und Netatmo brauchen App und Konto.
- Batterie oder Steckdose: Aranet4 läuft 4 Jahre auf zwei AA-Zellen, Airthings View Plus optional Batterie oder USB-C.
- Display nötig? Aranet4 hat E-Ink-Display, Airthings View Plus farbiges E-Paper, Netatmo gar kein Display am Sensor.
- Sensor-Position planen: CO2 in Atemhöhe (1,2 bis 1,5 m), Radon weiter unten im Keller, VOC nicht direkt neben Putzmittel-Schrank.
- Kaufen und 14 Tage einfahren: NDIR-Sensoren brauchen ABC-Kalibrierung (Automatic Baseline Correction) — zwei Wochen tägliches Lüften gibt den Referenzwert.
NDIR-Messprinzip: Warum es zählt
Echte CO2-Sensoren arbeiten mit Non-Dispersive Infrared (NDIR). Eine Infrarotquelle strahlt durch eine Luftkammer, ein Detektor misst die Absorption bei 4,26 µm Wellenlänge — der Bereich, in dem CO2-Moleküle Energie absorbieren. Daraus ergibt sich die Konzentration in ppm (Teile pro Million). NDIR-Sensoren sind langlebig, präzise (±30 ppm) und brauchen keine chemischen Verbrauchsmaterialien.
Aranet4 CO2-Messgerät
NDIR-Sensor mit E-Ink-Display — präzise Luftqualität ohne App-Zwang.
* Affiliate-Link — wir erhalten eine kleine Provision
Günstige Sensoren ab 30 € arbeiten oft mit MOX (Metalloxid) und schätzen CO2 aus VOC-Werten — das ist ungenau und schwankt mit Putzmitteln, Parfüm oder Bratdämpfen. Wer Pettenkofer-Werte (1000 ppm) zuverlässig messen will, kauft zwingend NDIR.
Marken-Vergleich: Specs auf einen Blick
| Feature | Aranet4 Home | Airthings View Plus | Netatmo Wetterstation |
|---|---|---|---|
| CO2 (NDIR) | ✅ | ✅ | ✅ |
| Temperatur | ✅ | ✅ | ✅ |
| Feuchte | ✅ | ✅ | ✅ |
| Luftdruck | ✅ | ✅ | ✅ |
| VOC | — | ✅ | — |
| Radon | — | ✅ | — |
| PM2,5 | — | ✅ (View Plus) | — |
| Außensensor | — | — | ✅ (mit Wind/Regen-Erweiterung) |
| Display | E-Ink | Farb-E-Paper | kein Display |
| Batterie-Laufzeit | 4 Jahre (2× AA) | 2 Jahre (6× AA) oder USB-C | 1 Jahr (4× AAA) |
| WLAN nötig | nein | ja (Hub bei View) | ja |
| Bluetooth | ja | ja | nein |
| Cloud-Konto | optional | Pflicht | Pflicht |
| API/Export | CSV via App | API + Webhooks | API |
| Preis (Mai 2026) | ~200 € | ~280 € | ~170 € |
Aranet4: Der CO2-Spezialist
Aranet4 von SAF Tehnika (Lettland) ist seit 2020 auf dem Markt und hat in Schulen und Büros einen festen Platz gefunden. Stärken: E-Ink-Display lesbar ohne Strom, Batterie-Laufzeit 4 bis 6 Jahre, NDIR-Sensor mit Werks-Kalibrierung, kein Cloud-Zwang. Daten lassen sich per Bluetooth an die App senden, dort als CSV exportieren. Ideal für Räume ohne Steckdose und für Nutzer, die Datenschutz wichtig finden.
Schwächen: Misst nur CO2, kein VOC, kein Radon, kein Feinstaub. Wer Komplettüberwachung will, kombiniert Aranet4 mit anderen Geräten oder steigt direkt auf Airthings um.

Airthings View Plus: Die Komplettlösung
Airthings (Norwegen) baut die View-Serie für Wohnraum-Komplettüberwachung. View Plus misst CO2 (NDIR), VOC, Radon, PM2,5, Temperatur, Feuchte und Druck. Das Display zeigt sechs Werte rotierend, die App liefert Verläufe und Empfehlungen. Radon-Messung über Alphaspektrometrie (passiv, ohne Verbrauchsmaterial), erstes verlässliches Jahresmittel nach 7 bis 30 Tagen.
Stärken: Einziges Konsumer-Gerät mit Radon-Sensor zu diesem Preis, App-Anbindung an Home Assistant und SmartThings, regelmäßige Firmware-Updates. Schwächen: Cloud-Pflicht, App-Bindung an Konto, etwas höherer Stromverbrauch. Für Häuser in Radon-Vorsorgegebieten praktisch ohne Konkurrenz.
Netatmo Wetterstation: Innen-/Außen-Kombi
Netatmo (Frankreich, jetzt Legrand) kombiniert Innenraum-Sensor mit Außenstation. Misst CO2 und Innen-/Außenwetter, optional erweiterbar um Regenmesser und Windmesser. Daten laufen über die Netatmo-Cloud, die API erlaubt Auslesen für eigene Auswertungen.
Stärken: Smarter als reine CO2-Sensoren, gute App-Integration, niedrigerer Preis. Schwächen: Cloud-Zwang, kein Display, CO2-Sensor weniger präzise als Aranet (Hersteller-Angaben ±50 ppm statt ±30), kein VOC oder Radon.

Use-Case-Empfehlung
| Anwendung | Empfohlener Sensor | Begründung |
|---|---|---|
| Homeoffice CO2-Überwachung | Aranet4 | Display ohne Strom, lokal, batteriearm |
| Klassenzimmer / Konferenzraum | Aranet4 | Schnell ablesbar, Pettenkofer-Schwelle prominent |
| Schlafzimmer Allergiker | Airthings View Plus | Feuchte, VOC, PM2,5 kombiniert |
| Haus im Radon-Vorsorgegebiet | Airthings View Plus | Radon-Sensor inklusive |
| Smart-Home-Integration | Airthings oder Netatmo | API + Webhooks |
| Wetter-Fan mit CO2-Bonus | Netatmo | Außenstation erweiterbar |
| Datenschutz-bewusst | Aranet4 | Komplett ohne Cloud nutzbar |
| Neubau mit KWL-Steuerung | Airthings View Plus | Trigger für Lüftungs-Anlage |
Kalibrierung und Wartung
NDIR-Sensoren driften über die Jahre minimal. Aranet4 erlaubt manuellen Open-Air-Reset: Gerät 5 Minuten ins Freie legen, in der App auf 420 ppm kalibrieren. Airthings nutzt ABC (Automatic Baseline Correction), die alle 7 Tage automatisch den niedrigsten Wert als Frischluft-Referenz nimmt — funktioniert nur, wenn der Raum mindestens einmal pro Woche richtig durchgelüftet wird.
Radon-Sensoren des Airthings sind nicht nachkalibrierbar, halten aber laut Hersteller mindestens 10 Jahre. VOC-Sensoren (MOX) altern stärker und können nach 3 bis 5 Jahren spürbar ungenauer werden.
Häufige Fragen
Reicht Aranet4 für ein normales Familienhaus?
Für reine Lüftungs-Entscheidungen nach Pettenkofer (1000 ppm CO2-Schwelle) reicht Aranet4 komplett. Ein bis zwei Geräte (Wohnzimmer + Schlafzimmer) decken die wichtigsten Bereiche ab. Wer aber auch Radon, VOC oder Feinstaub kennen will — etwa im Renovierungs-Kontext oder im Keller — kommt mit Aranet allein nicht weit und sollte ergänzen.
Wie genau sind die CO2-Werte der drei Geräte?
Aranet4 und Airthings spezifizieren ±30 ppm + 3 Prozent vom Messwert, Netatmo ±50 ppm + 5 Prozent. In der Praxis liegen alle drei in 100-ppm-Toleranz beieinander, wenn Kalibrierung passt. Für Stoßlüften-Entscheidungen bei 1000 ppm völlig ausreichend. Wer wissenschaftlich messen will, braucht Labor-Geräte ab 1000 € oder höher.
Funktioniert Aranet4 auch in einem Haus ohne WLAN?
Ja, das ist sogar einer der Hauptvorteile. Aranet4 zeigt Werte direkt auf dem E-Ink-Display, ohne App, ohne WLAN. Wer die Verlaufsdaten will, koppelt das Gerät einmal pro Woche per Bluetooth mit dem Smartphone. Datenexport als CSV möglich, ohne Cloud-Konto.
Lohnt sich Airthings View Plus, wenn ich Radon nicht brauche?
Eher nicht. Wer Radon ausschließt, bekommt für 280 € viele Werte, die er nicht braucht. Sinnvoller wäre dann ein Aranet4 (200 €) für CO2 plus separater Feinstaub-Sensor (50 bis 100 €). View Plus rechtfertigt sich vor allem, wenn alle Werte aus einer App kommen sollen und Radon-Messung wertvoll ist.
Kann ich die Sensoren in eine Smart-Home-Steuerung einbinden?
Airthings hat eine offene API und Webhook-Unterstützung, läuft mit Home Assistant, SmartThings und IFTTT. Netatmo bietet eine API mit OAuth, ebenfalls Home Assistant-kompatibel. Aranet4 lässt sich über inoffizielle Home-Assistant-Integrationen einbinden, der Hersteller stellt aber keine offizielle API für Endkunden bereit — eher etwas für Bastler.
Worauf es ankommt
Drei Geräte, drei Stärken: Aranet4 ist die unkomplizierte CO2-Lösung ohne Cloud, Airthings View Plus die Komplettüberwachung mit Radon-Vorteil, Netatmo die Wetter-Variante mit CO2-Bonus. Wer nur eines kaufen will und Radon nicht braucht, fährt mit Aranet4 am entspanntesten. Bei Vorsorgegebieten oder Allergikern führt der Weg zum Airthings View Plus. Die Investition zwischen 170 und 280 € rentiert sich über die Jahre, weil bewusste Lüftung Heizkosten senkt und gesundheitliche Risiken reduziert. Wer mehrere Räume überwachen will, kombiniert oft einen einzigen Komplett-Sensor mit zwei günstigeren NDIR-Geräten in Nebenräumen. Vor dem Kauf lohnt der Blick auf aktuelle Firmware-Versionen und App-Reviews — die Hersteller unterscheiden sich deutlich in der Update-Treue über die Jahre.
